Ohne Worten

Art des Theaters: dramatisches Schauspiel

Zeit: 45 Min.
Drehbuch und Regie: Jan Molicki
Bühnenbild und Kostüme: Rachela und Jan Molicki
Musik: Arkadiusz Reikowski
therapeutische Pflege: Rachela Molicka
pädagogische Pflege: : Gabriela Pierek, Monika Stanaszek, Elwira Piątek
technische Pflege: Rachela Molicka, Gabriela Pierek, Elwira Piątek / Joanna Gałka (Inspizientinnen); Monika Stanaszek/ Kamila Tobolewska (Ton); Magdalena Miłoń (Licht); Gabriel Molicki, Anna Ziembińska (technische Hilfe)

Rollenbesetzung:
Marta Gierałt, Ireneusz Buchich de Divan, Piotr Chmielek, Piotr Dylikowski, Konrad Gastoł, Marcin Kardacz, Paweł Kudasiewicz, Tomasz Pachel, Krzysztof Rogala, Maciej Sokołowski sowie: Rachela Molicka, Gabriela Pierek, Jan Molicki.
Als Gäste: Grażyna Hojdus und Magdalena Smoławska.

Das Schauspiel ist auf Grund der drei Einakter von Samuel Beckett „Spiel ohne Worten I“, „Spiel ohne Worten II“ und „Katastrophe“ entstanden. Es bekam den Jury-Preis auf dem internationalen Festival der entzückenden Theater (Tczew, 2007) und nahm an dem internationalen Theaterfestival „Artetherapie: from the margin to the middle“ (Banska Bystrica, Slowakei, 2007) und an der Internationalen Biennale das VIII Theatertreffen „Terapia i Teatr“(„Therapie und Theater“) (Łódź, 2007) teil sowie es wurde für das Krakauer Publikum im Rahmen der VIII Behindertenwoche „ Kocham Kraków z wzajemnością“ („Ich finde bei Krakau die Gegenliebe“) und des Projektes „Skrzydła literatury“ („Die Flügel der Literatur“) samt der Partnerorganisation „Trisomie 21“ aus Luxemburg aufgeführt.

Die Vorstellung besteht aus drei kurzen Einaktern von Samuel Beckett („Spiel ohne Worten I“, „Spiel ohne Worten II“, „Katastrophe“). Diese Einakter erzählen auf eine symbolische Art und Weise über Recht jedes Menschen darauf, seine eigenen Ziele zu realisieren, über Recht auf Freiheit und auf Leben unter anderen Menschen.

               
In der ersten Studie sieht man zwei Gruppen von Schauspielern: die erste Gruppe bilden die trägen und ungeschickten Menschen mit ewiger Grimasse des Leidens auf ihrer Gesichtern. Die zweite Gruppe ist der Gegensatz: das sind die energischen, geschickten, präzisen Menschen. Alle üben dieselben Handlungen aus, die die tägliche Mühe des Lebens symbolisieren: sie kleiden sich an, essen, üben ihre Arbeit aus, die in der Überschreitung der nächsten den Ablauf des Tages symbolisierenden Barriere besteht. Die einen machen das ohne Mühe, die anderen ermüden sehr, aber der Effekt ihres Handelns identisch ist. Die Zuschauer können sich also davon überzeugen, dass es hier weder Schlechtere noch Bessere gibt. Alle bemühen sich, ihre Pläne zu realisieren und Ziele zu erreichen. Und man darf niemanden an den Rand drängen und aus der Hauptströmung des Lebens ausstoßen.
In der zweiten Studie befindet sich die Gruppe von Schauspielern in dem, durch die Warnbänder bestimmten Sperraum. Diese Gruppe wird von rücksichtlosen Wächtern kontrolliert. Die „Gefangenen“ werden von zynischen „Aufsehern“ ständig betrogen und manipuliert. Es sieht so aus, als ob die gespenstische Unterhaltung auf Kosten dieser Menschen wäre. Zuerst werden sie aus verschiedenen Seiten herbeigerufen und dann entzog man ihnen die Möglichkeit durchzugehen. Danach bot man ihnen an, die Gabe in Gestalt der geheimnisvollen Flasche anzunehmen. Trotz der Anstrengungen misslingt es jedoch  den Gefangenen, diese Flasche zu erreichen. Wenn nach vielen Versuchen scheint die Flasche in der Reichweite zu sein, zieht ein Wächter sie genug heran, damit sie wieder unerreichbar ist. Im letzten Akt der Szene schaukelt die Flasche niedrig vor Augen der sitzenden gefangenen. Jedoch kein von ihnen reagiert. Sie lassen sich nicht provozieren. Sie wollen kein Spielzeug sein, sie können die Wahrheit von der Lüge, Versprechungen von ehrlich ausgesteckter Hand unterscheiden.
In der dritten Szene sieht man einige Menschen, die der Freiheit beraubt und der Möglichkeit entzogen werden, ihr Leben zu leiten. Die Menschen, die von der Laune von Assistenten, Wächtern und einem geheimnisvollen Regisseur abhängig sind. Sie werden nach dem Willen der Aufseher aufgestellt und angekleidet. Niemand rechnet nicht nur mit ihrem Willen sondern auch sogar mit ihrer Anwesenheit. Man spricht von ihnen wie über Gegenstände ohne Stimmenrecht. Beinahe sie dort nicht da wären. Und wenn es scheint, dass sie des Willens ganz entzogen wurden, sich zu kämpfen, wenn irgendwelche Rebellion scheint, unmöglich zu sein, heben die Gefangenen ihre Köpfe und schauen direkt in die Augen des versammelten Publikums. Die Überraschung ist so groß, dass der Beifall der unsichtbaren Claqueure dieser grausamen Aufführung sofort verstummt. Die Gefangenen wahrten ihre Würde und ihre Niederlage war nur scheinbar. Sie erwiesen sich stärker von ihren Verfolgern.
Jede Szene zeigt auf eine ungewöhnlich scharfe und fast brutale Weise die Lage eines „anderen“ Menschen in der gegenwärtigen Welt. Des Menschen, der schnöde behandelt, gestellt und seines Rechts auf persönliche Aussage beraubt wird.
Jede Szene schließt sich aber auch mit dem Sieg der Gefangenen. Sie heben ihre Köpfe, kämpfen um ihre Würde und enthüllen  Manipulation und Lüge der „Pfleger“. Das ist sicher kein leichtes und angenehmes Unterhaltungsschauspiel. Es gibt aber die Hoffnung – es zeigt, dass „anderer“ Mensch nicht aufgeben und darauf nicht verzichten will, sein Leben zu leiten und unter anderen Menschen zu existieren.